1. Freiheit

    Freiheit Einigkeit und Recht

    heißt es doch so schön im Lied

    Doch mit der Einigkeit steht`s schlecht

    wohin das müde Aug auch sieht



    Und auch das Recht ist eine Theorie

    für jene die begütert sind

    Gerechtigkeit ist eine Phantasie

    Justitia ist nur auf einem Auge blind



    Die Freiheit die uns bleibt ist die

    die Pfeifen selbst zu wählen

    die nach der Wahl verdienen wie noch nie

    und vor der Wahl uns viel erzählen


    Stefan Fuchs
    https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/

  2. Nebel

    Nebel hat das Tal bedeckt

    und bedeckt mein Herz

    hat die Wunden mir geleckt

    weckte auch den Schmerz



    erinnert an vergangne Zeit

    strömt durch alle Poren

    Zukunft und Vergangenheit

    beides scheint verloren



    über`m feuchten Boden schwingt

    erdenschwerer Duft

    und der Schrei der Krähe dringt

    dumpf durch graue Luft


    Stefan Fuchs
    https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/

  3. Ein neuer Tag

    In Deinen schönen Augen hab ich mich wohl verloren

    betört hat mich sogleich Dein attraktiver Duft

    Deine schönen Brüste fest, nicht groß

    Du hast mich immer wieder neu geboren

    wir teilten uns in Deinem Bett die Luft

    so manche Nacht lag ich in Deinem Schoß



    Doch unser Sommer ist wohl jetzt vorüber

    denn alles hat im Leben seine Zeit

    die Zeit mit Dir, ich werd mich stets entsinnen

    es fröstelt schon, die Tage werden trüber

    die Wälder stehen dunkel ohne Kleid

    und morgen wird ein neuer Tag beginnen


    Stefan Fuchs
    https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/

  4. Aus Fehlern lernen

    Mein lieber Heinrich Heine

    nun reiche mir deinen Stab

    Zur Dichtung brauch ich ihn für meine

    und dir nützt er nichts mehr im Grab



    Ich werde ihn tragen in Ehren

    doch vorher noch desinfizieren

    Auch ich kann der Venus nicht wehren

    aber venerischen Viren



    Ich habe durch deine gedichteten Leiden

    gelernt was ich besser benutz

    Veilchen Gondons aus kostbaren Seiden

    bieten wohl kaum einen Schutz


    Stefan Fuchs
    https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/

  5. Regen

    Der Regen prasselt schon seit Stunden auf die Dächer

    wohl dem der noch eins überm Kopfe hat

    in der Ferne stöhnt ein dumpfes Donnergrollen

    die Hunde haben alle sich verpisst



    Aus wässrig roten Augen schaut der Zecher

    was ihn wohl so gebrochen hat

    seine Nase , aufgedunsen und geschwollen

    weiter hinten , spielt falsch ein Pianist



    Ein Wirt füllt einen leeren Becher

    die Bedienung lächelt matt

    ein Mann frisst einen Weihnachtsstollen

    und ich frag mich Mädchen , wer Du bist


    Stefan Fuchs
    https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/

  6. Traumfrau

    Im Traume hast Du Deine zarte Wange

    vertraut an meine Hand gelehnt

    es war ganz ungewohnt, denn schon so lange

    hab ich mich doch nach Dir gesehnt



    Im Traum sah ich Dich zwar zum ersten Male

    doch spürt ich gleich, dass Du für mich bestimmt

    grau kam das Morgenlicht, das fahle

    und nur ein Funken blieb, der mir im Herzen glimmt



    Ich hab versucht Dich noch einmal zu träumen

    Du wirst wohl wissen, dass es nicht gelang

    ich suchte Dich und wagte nicht zu säumen

    ich such Dich noch, in jedem Sonnenuntergang



    Stefan Fuchs
    https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/

  7. Du bist Deutschland

    Ich sei Deutschland las ich da

    und blieb verwundert stehen

    Langsam wurd mir manches klar

    wenn ich Deutschland bin und war

    dann wird es untergehen




    Stefan Fuchs
    https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/

  8. Zukunftsmusik

    Liebe Kinder ihr müsst lernen

    nicht zu greifen nach den Sternen

    Denn wenn ihr erwachsen seid

    benötigt ihr Bescheidenheit

    Der Wohlstandskuchen hat so gut geschmeckt

    wir zahlten ihn - der Scheck war ungedeckt



    Nun werden wir euch unterrichten

    auf jeden Schnickschnack zu verzichten

    Denn ihr lieben diese Tugend

    sollt ihr lernen in der Jugend

    damit ihr später schön genügsam

    und nicht zuletzt gefügig biegsam



    Ihr müsst lernen euch zu fügen

    wenig sollte euch genügen

    Wer nichts hat kann nichts verlieren

    wer Geld braucht verkauft eine seiner Nieren

    Auch Hunger soll euch nicht betrüben

    wozu wachsen schließlich Rüben



    Drum Kinder macht den Rücken krumm

    wer schlau ist der wird besser dumm

    denn wer sein Unglück nicht mal rafft

    hat Zugewinn an Lebenskraft

    und das wird häufig unterschätzt

    und nebenbei- die Hoffnung stirbt zuletzt


    Stefan Fuchs
    https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/

  9. Der Mensch

    Der Mensch, er lässt sich gerne unterdrücken

    er fragt auch nicht weshalb oder warum

    Wenn man befiehlt, dann geht er aufs Schafott

    wird er nicht angespuckt, dann fühlt er sich nicht wohl



    der Mensch, er lernt sich früh und tief zu bücken

    begreift auch schnell - wer schlau ist stellt sich besser dumm

    und in der Kirche wohnt seit über 1000 Jahren schon der liebe Gott

    der Mensch, er frisst sich fett und bleibt doch innen hohl



    Er frisst am liebsten halbvergornen Kohl

    und leckt sich gerne selbst die Fott

    vom vielen Bücken ist der Rücken eh schon krumm

    so kann er wenigstens sich selbst beglücken



    Am Abend trinkt er gern ein wenig Alkohol

    und manch ein Dreier wurd am Ende flott

    Des Menschen Seele, taub und stumm

    kann nicht eimal den Teufel mehr entzücken

    Der Mensch, er lässt sich gerne unterdrücken



    Stefan Fuchs
    https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/

  10. Nebelbilder

    Das Fundament aus modrig fahlen Knochen

    wird übersät mit unschuldigem Gras

    indes kommt weißer Nebel angekrochen

    und aus dem Grund klingt leis ein Pochen

    mir ist als rieche es nach Gas



    Mir ist als hört ich tausend Schreie

    aus der Vergangenheit, sie schluckt der Nebel

    mir ist als stünden Menschen lang in Reihe

    wie eine Prozession, wie eine Weihe

    ihren Ruf erstickt der weiße Knebel



    Und aus der Reihe löst sich still eine Gestalt

    geht auf mich zu , es ist ein Kind

    in seinem Mund ist Lehm, es riecht nach Wald

    es spricht zu mir und mir wird kalt

    du weißt warum wir hergekommen sind



    Wir sind gekommen euch zu mahnen

    gedenkt was einst in diesem Land geschah

    denn ihr vergesst was eure Ahnen

    geschehen ließen- schwenkt die Fahnen

    doch unsre fahlen Knochen sind noch da



    In die Menschenkette reiht sich wieder ein

    das fahle blasse Kind

    sie ziehen weiter in den Nebel, werden klein

    und ich steh auf der Wiese ganz allein

    dann löst der Nebel sich und es bläst kalt der Wind



    Stefan Fuchs
    https://creativecommons.org/licenses/by-nc-nd/3.0/